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08.05.2026

SAP Sales Cloud V1 vs. SAP Sales Cloud V2: Was ändert sich für Unternehmen wirklich?

Die Anforderungen an den Vertrieb steigen: Kundinnen und Kunden erwarten personalisierte Kommunikation, schnelle Reaktionszeiten und eine konsistente Customer Experience über alle Kanäle hinweg. Gleichzeitig nimmt der Druck zu, Vertriebsprozesse effizienter zu gestalten, Datenqualität zu erhöhen und Teams mit modernen Tools zu entlasten. In diesem Kontext stellt sich in vielen Organisationen die Frage nach der richtigen CRM-Plattform im SAP-Umfeld: SAP Sales Cloud V1 (klassisch „C4C“) oder SAP Sales Cloud V2

Der Vergleich sollte dabei weniger als klassische „Upgrade-Frage“ betrachtet werden. SAP positioniert V2 als neue Generation und strategische Zukunftsplattform im CX-Portfolio, während V1 vielerorts als bewährte, prozessstabile Bestandslösung etabliert ist.

Einordnung: Bewährte Bestandslösung vs. Next-Gen-Plattform

SAP Sales Cloud V1 ist in zahlreichen Unternehmen über Jahre gewachsen – mit stabilen End-to-End-Prozessen (z. B. Lead → Opportunity → Angebot → Auftrag), eingeübten Arbeitsweisen und oft tiefen Integrationen in SAP ERP bzw. SAP S/4HANA. Zudem existieren häufig etablierte Erweiterungen und Anpassungen, die das System passgenau auf branchenspezifische Anforderungen und Vertriebsrealitäten zugeschnitten haben.

SAP Sales Cloud V2 wird dagegen von SAP und in der SAP-Community als Modernisierungsschritt beschrieben, der stärker auf cloudnative Prinzipien, moderne Nutzerführung und schnellere Innovationszyklen setzt. Ziel ist eine Plattform, die Performance und Benutzererlebnis verbessert und gleichzeitig moderne Architekturprinzipien wie „API-first“ und „Clean Core“ stärker berücksichtigt.

Ein entscheidender Punkt für die Einordnung: V2 ist in vielen Aspekten keine 1:1-Fortsetzung der V1-Logik, sondern eine neue Produktgeneration, deren Einführung und Transition eher als Transformationsvorhaben zu planen ist.

Technische Basis und Performance: Spürbare Unterschiede im Arbeitsalltag 

Auch wenn die technische Architektur nicht der primäre Fokus von Fachbereichen ist, wird sie im Alltag durch drei Faktoren spürbar: Antwortzeiten, Stabilität unter Last und Tempo neuer Funktionen. 

V1 gilt als funktional ausgereift und stabil, kann aber je nach Datenvolumen, Objektkomplexität und Anpassungsgrad in der täglichen Nutzung als klickintensiv wirken. In gewachsenen CRM-Landschaften zeigen sich zudem Grenzen, wenn Agilität und Skalierung stärker gefordert sind.

V2 wird als moderne Plattform mit Fokus auf Performance und schnelle Innovationszyklen beschrieben. SAP kommuniziert Verbesserungen bei UX und Effizienz, die sich insbesondere bei hoher Aktivitätsdichte (viele Interaktionen, Aufgaben, Opportunities) positiv auswirken können.

Der praktische Effekt: In Organisationen mit hoher Vertriebsintensität kann sich V2 nicht nur „schneller“ anfühlen, sondern insgesamt produktiver wirken, weil Navigation, Kontextwechsel und typische Routinen effizienter unterstützt werden.

User Experience und Arbeitsweise: Von Objektpflege zu Workspace-Orientierung

In V1 dominiert häufig eine objektzentrierte Arbeitsweise: Accounts, Kontakte, Opportunities und Aktivitäten werden in klar getrennten Masken gepflegt. Das ist mächtig und etabliert, führt aber in vielen Szenarien zu häufigem Wechsel zwischen Tabs, Ansichten und Unterobjekten.

V2 verfolgt stärker eine workspace- und aufgabenorientierte Nutzerführung. Inhalte und Aktionen sollen enger zusammengeführt werden, damit typische Arbeitsschritte entlang des Vertriebsprozesses mit weniger Sprüngen zwischen Screens erfolgen. SAP und Community-Beiträge heben genau diese Richtung hervor: schnellerer Kontextwechsel, vernetzte Objekte und ein Arbeitsmodus, der Entscheidungen und nächste Schritte stärker in den Vordergrund rückt. 

Gerade für Vertriebsorganisationen, die operative Exzellenz im Tagesgeschäft anstreben, kann das einen spürbaren Unterschied machen: weniger Such- und Pflegeaufwand, dafür mehr Fokus auf Pipeline, Aktivitäten und Abschlusswahrscheinlichkeit.

Abbildung 1: Digital Selling Dashboard (Quelle: SAP)

 

Künstliche Intelligenz und Analytics: Additiv vs. integriert gedacht

KI und datenbasierte Vertriebssteuerung sind seit Jahren Thema. Neu ist, wie konsequent diese Fähigkeiten im Standard verankert werden.

In V1 sind moderne Analytik- und KI-Funktionen häufig stärker als ergänzende Bausteine zu verstehen (abhängig von Lizenzierung, Add-ons und individueller Systemgestaltung).

V2 wird deutlich stärker als Plattform positioniert, in der KI- und Insight-Funktionalitäten enger mit dem Arbeitsfluss verzahnt sind , z. B. durch Empfehlungen, Priorisierung und Assistenzfunktionen, die Routineaufgaben reduzieren und Entscheidungen unterstützen sollen.

Beim Reporting ist eine realistische Erwartungshaltung wichtig: V2 bietet standardisierte Auswertungen und Insights, während für hochgradig individuelle Management-KPIs und konsolidiertes Reporting über mehrere Systeme hinweg häufig ein Business-Intelligence-Ansatz (z. B. SAP Analytics Cloud oder bestehende Data-Warehouse-Strukturen) sinnvoll bleibt.

Abbildung 2: Prognose-Tracker (Quelle: SAP)

Erweiterbarkeit und Integration: Der größte Mindset-Shift („Clean Core“)

In der Praxis entscheidet selten ein einzelnes Feature über den Erfolg einer Transition, sondern das Zusammenspiel aus Prozessen, Integrationen, Erweiterungen und Governance.

V1: Erweiterungen „im System“ sind etabliert

V1 ist in vielen Unternehmen stark über In-App-Mittel erweitert worden: zusätzliche Felder, Layouts, Regeln, Workflows – und bei komplexeren Anforderungen auch über Entwicklungs- und SDK-Ansätze (Software Development Kit). Diese Nähe zum Kernsystem bietet Flexibilität, erhöht aber je nach Umfang die Komplexität bei Weiterentwicklungen und langfristiger Wartbarkeit.

V2: Side-by-side-Ansatz wird stärker betont

Für V2 wird der Weg hin zu „Clean Core“ und side-by-side Extensions deutlicher: Leichte Anpassungen im System, weitergehende Innovationen daneben – beispielsweise über die SAP Business Technology Platform (Low-/No-Code, eigene Services, Integrationslogik). Dieser Ansatz zielt darauf ab, Updates einfacher zu konsumieren und individuelle Innovationen entkoppelt vom Kern weiterzuentwickeln.

Die zentrale organisatorische Konsequenz: Eine Transition betrifft nicht nur die IT, sondern auch die Fachbereiche, weil Prozessentscheidungen, Reporting-Logik und Customizing-Governance neu bewertet werden müssen.

Wann ist V2 sinnvoll – und wann ist V1 weiterhin die richtige Wahl?

V1 bleibt in vielen Fällen sinnvoll, wenn…

  • Prozesse stabil laufen und kurzfristig kein Transformationsprojekt gewünscht ist,
  • zahlreiche tiefgreifende Erweiterungen existieren, die erst entkoppelt oder neu geschnitten werden müssen,
  • der Fokus auf Prozessoptimierung im bestehenden Setup liegt (z. B. Datenqualität, Adoption, Governance, Integrationsstabilität).

V2 ist besonders attraktiv, wenn eine Vertriebsorganisation…

  • eine modernere Nutzerführung und schnellere Arbeitsabläufe priorisiert,
  • Innovationen und neue Funktionen in kürzeren Zyklen nutzen möchte,
  • eine klare Architektur- und Erweiterungsstrategie entlang BTP/API-first anstrebt,
  • ohnehin eine Modernisierung der CRM-Landschaft plant. 

Fazit

SAP Sales Cloud V1 und V2 stehen nicht einfach für „alt vs. neu“, sondern für zwei unterschiedliche Produktphilosophien: V1 als bewährtes, ausgereiftes CRM in vielen gewachsenen Landschaften – V2 als modernere Plattform, die SAP strategisch stärker in Richtung Zukunft mit Fokus auf UX, Performance, AI-Unterstützung und Clean-Core-Ansätzen entwickelt. 

Für Organisationen ist deshalb vor allem eine Frage entscheidend: Soll die bestehende CRM-Landschaft stabil weiter betrieben und optimiert werden oder soll ein Modernisierungsschritt umgesetzt werden, der Prozesse, Erweiterungslogik und Governance neu ordnet? In vielen Fällen liegt der Nutzen von V2 nicht nur im „Systemwechsel“, sondern in der Chance, den Vertrieb insgesamt effizienter, transparenter und zukunftsfähiger aufzustellen.